Lecture from 11th June 2018:

Manifestation von Macht – Am Beispiel des Bestattungsplatzes des frühmittelalterlichen Zentralortes von Thunau

Speaker: Mag. Dr. Elisabeth Nowotny

Venue: Redemptoristenkolleg Maria am Gestade, Klemenssaal, Salvatorgasse 12, 1010 Vienna
Time: 6pm - 8pm

Der Schanzberg von Thunau liegt im nördlichen Niederösterreich, im Tal des Kampflusses. Dies entspricht im 9. Jahrhundert dem Grenzgebiet zwischen (Ost-)Fränkischem Reich, (Groß-)Mähren und dem Gebiet der Böhmen, wobei die politische Zugehörigkeit – überhaupt weiter Teile des Waldviertels – unklar ist. Die seit 1965 regelmäßig erfolgten Untersuchungen erbrachten am Schanzberg Strukturen eines befestigten frühmittelalterlichen Zentralortes. Das auf der Hochfläche (Obere Holzwiese) angelegte Gräberfeld steht mit dem so genannten Herrenhof in direktem räumlichem Zusammenhang, einem mehrphasigen Siedlungsareal, für das sich die besten Vergleiche in den großmährischen Zentren Südmährens zu finden sind.
Es wird besprochen, in welchen Aspekten sich Macht, verknüpft mit Prestige, Autorität und Herrschaft am Schanzberg von Thunau und insbesondere im Gräberfeld der Oberen Holzwiese fassen lässt. Hierzu ist es unerlässlich, sich mit den sozialen Identitäten und Beziehungen der Bestatteten, insbesondere mit altersspezifischen Geschlechterrollen und Sozialstatus zu beschäftigen, die sich – sozusagen gefiltert durch die Bestattungssitten – in den Gräbern niederschlagen. Dabei werden Ausstattungsmuster und Korrelationen mit dem beim Grabbau betriebenen Aufwand greifbar. Weiters wird die Position der Gräber am Bestattungsplatz in die Analyse miteinbezogen. Auch der Faktor Zeit, also zeitabhängige Moden und Sitten, muss – sowohl intra-site als auch in Bezug auf sog. Prestigebestattungsplätze des weiteren Umfeldes – berücksichtigt werden um zu einer Interpretation zu gelangen.



Mag. Dr. Elisabeth Nowotny

ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Museale Sammlungswissenschaften der Donau-Universität Krems. Forschungsschwerpunkte: Archäologie der Völkerwanderungszeit und des Frühmittelalters, Gräber- und Siedlungsarchäologie, mittelalterliche Siedlungen im ländlichen Raum.

Elisabeth Nowotny, geboren 1981 in Linz. Studium der Ur- und Frühgeschichte und Skandinavistik in Wien und Oslo mit Schwerpunkt Frühgeschichte. Danach in der archäologischen Feldforschung beschäftigt. 2011 Promotion im Zuge einer Anstellung an der ÖAW und eines Forschugsstipendiums des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung; in Folge wissenschaftlich sowie in der Kuratierung von Ausstellungen tätig für das Land Niederösterreich. Seit 2015 Beschäftigung am Zentrum für museale Sammlungswissenschaften der Donau-Universität Krems.